
Ich arbeitete vom achten bis zweiundzwanzigsten November in Almaty, in der ehemaligen Hauptstadt von Kasachstan. Niemand von meiner Familie war bisher so weit nach Osten gefahren, deshalb musste ich natürlich viele Stunden über meine Erlebnisse berichten, und ich möchte jetzt auch Euch erzählen, wie es eigentlich heutzutage in der Urheimat der Ungarn aussieht.
Ja, Urheimat der Ungarn, wir sind ja darum ein Kuckucksei in Europa, weil wir vor 1500 Jahren noch in diesen Bergen hier gelebt haben:
Das ist ja vielleicht gar nicht wahr, die Ungarn lebten ja nicht hier, sondern ein paar Tausend Kilometer weiter am Ural, aber die Berge in Almaty sind wunderschön, sie gehören eigentlich schon zum "Thien Shan" Gebirge, das größtenteils in China liegt. Über diesen Namen habe ich zuerst im Hotel erfahren, wo ich ein Bier mit diesem Namen getrunken habe. Zum Andenken musste ich natürlich ein Krug mitbringen:
Ganz
komisch, ein chinesischer Gebirgsname mit kyrillischen
Buchstaben!
Am ersten Tag habe ich die Berge aber noch nicht gesehen, es war ja schon spät am Abend, als ich am Flughafen eingetroffen bin. Als ich den Flughafen zuerst gesehen habe, habe ich gedacht, ich bin in Amerika, oder sonst wo, ein kleines, aber hochmodernes Gebäude. Umso erstaunter war ich, als wir mit dem Bus nicht in dieses Gebäude fuhren, sondern in ein altes, schmutziges Haus im postsowjetischen Stil. Später stellte sich heraus, dass ein ganzes Stock des neuen Gebäudes, noch bevor es eröffnet wurde, abgebrannt war, und jetzt steht es schon lange leer da. Dann hat mich der Fahrer des Goethe Instituts mit dem Wagen abgeholt, und bald sind wir im Hotel Almaty angekommen. Das Hotel ist auch postsowjetisch, so gar nicht schön, aber alles war sauber, und in meinem Zimmer hatte ich sogar einen Fernseher und ein Minibar (Dort gab's auch Thien Shan, und Derbes, was vielleicht ein noch besseres Bier ist:-) )
Nächsten Tag, am Sonntag habe ich Herrn Ortmann getroffen, den ich schon aus Budapest gekannt habe, er hat vor zwei Jahren noch dort gearbeitet, und wir sind zum Goethe Institut gefahren, um den Computer und den Beamer für Montag einzustellen, damit ich dann keine technischen Schwierigkeiten habe. Es war eine ganz gute Idee, weil es Probleme mit dem Internet-Anschluss gab, zum Glück konnten wir es lösen. (Später gab's aber leider immer wieder Probleme mit dem Internet)
So sieht das Goethe Institut von außen aus:
Und das war meine erste Gruppe:
Man kann leicht erkennen, wer eine Kasachin, oder
Kirgisin und wer eine Russin ist, oder? Die Namen helfen
natürlich auch. Mein Name (Csaba) hat übrigens auch in der
heutigen kirgisischen Sprache eine Bedeutung: Schäfer. Ich
wusste natürlich, dass mein Name Schäfer bedeutet, aber ich
habe mich gewundert, wieviele Wörter noch in der heutigen
kasachischen, oder kirgisischen Sprache ähnlich, oder sogar
gleich mit unseren ungarischen Wörtern sind. Obwohl die Ungarn
schon seit 1100 Jahren in Ungarn leben! Dass wir wirklich
verwandt sind, habe ich auch in der Stadt bemerken können, weil
alle Ausländer immer von der Polizei kontrolliert und sogar
durchsucht wurden (man sucht immer nach Rauschgift, hat man mir
später erzählt), aber ich wurde niemals angehalten! Später,
als ich die Moschee besichtigt habe, hat mir ein Mann gesagt,
dass ich ganz wie die Kabaren aussehe. Die Kabaren sind eine der
vielen Nationalitäten in Kasachstan, und viele leben auch in
Ungarn, darum hat die Republik Kasachstan vor drei Jahren auch
ein zweites Konsulat in Ungarn eröffnet, und zwar in Karcag.
Also, so viel über die Verwandschaft der Ungarn und die
Kasachen, es war wirklich ganz-ganz interessant für mich.
In meiner ersten Gruppe
waren die LeiterInnen der 12 kasachischen Deutschlehrerverbände
(Es gibt nicht darum 12 DLVs, weil es so viele Deutschlehrer
gibt, sondern weil das Land so sehr groß ist). Bachyt ist die
Präsidentin des Nationalen DLVs, so ist sie eigentlich die
Chefin der Anderen. Sie lebt in Almaty. Aber Ira (Irina) zum
Beispiel ist 42 Stunden mit dem Zug gereist, und nicht, weil die
Züge so langsam wären, sondern sie wohnt 3000 km weit von
Almaty, aber noch immer in Kasachstan. Das war also eine
einmalige Gelegenheit, alle Leiterinnen in einer Gruppe zu haben.
Das GI Almaty wollte mit diesen Leuten kommunizieren können, darum wurden sie eingeladen, und meine Aufgabe war, zu erreichen, dass die TN nach dem Kurs routinemäßig E-Mails abschicken und empfangen können. Mit einem einzigen Computer war es eine schwere Arbeit, aber sie waren ganz geduldig, und so konnte ich das Ziel erreichen. Manche hatten schon ein bisschen Vorkenntnisse, aber es gab auch viele, die noch nie im Leben einen Computer berührt haben. Das war natürlich sehr weit entfernt über das Thema "Computer im DAF-Unterricht", aber jemand muss ja auch diese Arbeit machen und ich fühlte mich natürlich geehrt, diese LeiterInnen in die Welt des Internet einführen zu dürfen...
Wir haben jeden Tag von 9 bis 17.30 gearbeitet, mit zwei Kaffeepausen und einer Mittagspause hier:
Übrigens war das Essen wirklich vorzüglich, schon das Frühstücksbuffet im Hotel war so reichlich, dass ich in zwei Wochen nicht mal alles probieren konnte:
Und es gab noch drei weitere Tische mit Müsli, und Getränke und Brot, und alles Mögliche...
Am Freitag Nachmittag fuhren dann die TeilnehmerInnen nach Hause und ich hatte ein bisschen Freizeit. Am Abend war ich in einem Klavierkonzert mit zwei Klavieren und einem bulgarischen Künstlerpaar. Es war ganz interessant und danach gab's sogar eine kleine Party mit den Botschaftern.
Am Wochenende konnte ich dann endlich die Stadt besichtigen, am Samstag bin ich allein spazierengegangen, und am Sonntag hatte ich zusammen mit einer neuen deutschen Kollegin, Frau Uhlmann, eine Fremdenführerin gehabt und eine dreistündige
Einige Bilder über Almaty:
Ein Straßenbild. Alles ist riesengroß hier, es gibt in Almaty keine kleinen Straßen, überhaupt keine Gassen, nur ganz-ganz breite Straßen mit mindestens 2X2 Spuren. Das Benzin ist in Kasachstan sehr billig, so gab es an Werktagen trotz der breiten Straßen immer wieder Staus.
Es gibt in Almaty aber auch viele
Massenverkehrsmittel: Busse, O-Busse, Straßenbahnen, es gibt
aber fast keine Schilder in den Haltestellen, man muss immer
fragen. Dazu war aber mein Russisch oft zu wenig, und ich habe
wirklich niemanden getroffen, der außer kasachisch, oder
russisch eine Fremdsprache kannte (Außer im Goethe Institut
natürlich). Aber so einfache Sätze, wie "Odno Pivo,
poschalujsta" (Ein Bier, bitte) konnte ich natürlich sagen,
so hatte ich keine zu großen Probleme mit meinen
Sprachkenntnissen.:-)
Diese kleinen Busse (auf dem Bild oben) sind sehr typisch in
Almaty, sie fahren immer die gleiche Strecke, haben aber keine
Haltestellen, man muss immer winken, wenn man einsteigen will,
und dann sagen, wo man aussteigen möchte. Es gibt auch keine
Fahrkarten im Vorkauf, im Bus/O-Bus/Straßenbahn muss man sie von
einem Kontrolleur kaufen. Die Kontrolleure kann man aber auch
nicht leicht erkennen, sie tragen keine Uniform, so muss man
schon aufpassen. Und noch dazu: Die Fahrt kostet manchmal 15,
manchmal 20, manchmal 25 Tenge, zuerst habe ich gedacht, dass ich
bemogelt werde, aber später habe ich erfahren, dass es vom Tag,
und auch von der Tageszeit abhängt.
Typisch sind auch die "Schwarztaxifahrer", d. h. man
kann auch in der Stadt per Anhalter fahren, man soll sich einfach
an den Straßenrand stellen, und wenn ein Fahrer anhält, kann
man fragen, wieviel es kostet.
So sieht die ganze Stadt aus: neben alten Gebäuden in ganz schlechtem Zustand findet man Multiplex-Kinos, oder Casinos, oder beides, wie hier oben.
Das ist hier ein Kriegsdenkmal noch aus der Zeit der Sowjetunion, und dazu eine ganz interessante Gewohnheit der örtlichen Brautpaare: Alle lassen sich hier fotografieren.
Hinter diesem Denkmal steht eine schöne Holzkirche. In Almaty muss alles entweder aus Holz, oder aus Eisenbeton sein, wenn die Gebäuden aus Stein wären, hätten sie keine Chance gegen Erdbeben.
In Almaty gab's im 20. Jahrhundert zwei Erdbeben, 10 und 7 auf der Richter-Skala. Dieses Gebäude auf dem Bild ist eines der ganz wenigen Häuser, die das Erdbeben Stärke 10 überlebt haben. Sonst wurde alles völlig zerstört. D. h. das hier ist eines der ältesten Gebäude in Almaty.
Das ist hier der höchste Punkt der Stadt, 1700 Meter. Hier gibt es ein Wintersportzentrum, ist aber z.Z geschlossen, die Stadt hat nämlich kein Geld für eine so große Anlage. Es ist riesengroß, aber wegen dem Nebel haben wir sie leider nicht so gut sehen können, und die Aussicht auf die Stadt war auch gesperrt.
Wieder eine Gewohnheit der Brautpaare: Alle, die heiraten, mieten eine so große Limousine (Die ärmeren Paare müssen dafür ganz viel sparen, es kostet 100 Dollar die Stunde), und nachdem sie das erwähnte Foto beim Denkmal gemacht haben, fahren sie mit dem Auto zum höchsten Punkt der Stadt, trinken etwas, und dann fahren sie zurück.
Zum Glück funktionieren diese Geräte nicht mehr, es war ein Mineralwasserautomat, und zwar mit einem einzigen Glas, aus dem alle Fußgänger getrunken haben...

Obwohl die Kasachen so gut kochen können, kann man hier auch Hamburger und Pizza kaufen, aber das wollte ich lieber nicht probieren, so habe ich hier nur ein Thien-Shan getrunken.

Und das ist schon meine zweite Gruppe in der zweiten Woche. Das Foto habe ich gemacht, aber sie haben es gefälscht, so bin ich auch dabei.
Mit dieser Gruppe war es ganz anders, wie mit den Leiterinnen; sie waren DeutschlehrerInnen an den SLZs (Sprachlernzentren), fast alle hatten schon E-Mail Adresse und genügend Vorkenntnisse, so konnte ich wirklich fast alles machen, was ich geplant habe, nur die Langsamkeit des Internet-Anschlusses war ein Problem für uns, wir konnten weder Radio hören, noch mp3 - Dateien anhören, und noch einige Online-Dienste benutzen, aber sonst war es ein Erfolg. Die Teilnehmerinnen haben auch eine Webseite während des Kurses gebastelt: http://mitglied.lycos.de/Almaty2003
Am Ende haben sie diese Bestätigung erhalten:

Am Samstag, den 22-sten kam ich dann schon über Frankfurt nach Hause.
Es sieht so aus, dass im März 2004 wieder zwei Kurse in Almaty halten werde.